Epilogue and Acknowledgement

Verfolgt irgendjemand diesen Blog noch? Ich weiß, ich habe im letzten Beitrag noch kommende Abschlussworte angedeutet, aber, nun, das sagt sich so leicht, wenn man noch keine Ahnung hat, wie stressig es sein kann, im Abschluss eines Langzeitaufenthalts wieder zurück zu reisen. Verhältnismäßig war es wahrscheinlich auch gar nicht stressig (vor allem nicht so stressig wie die Ankunft), aber man muss ja auch die Zeit mit einrechnen, die man sitzend auf dem Bett verbringt und überlegend, was man vergessen haben könnte oder als nächstes an- (oder ein-)packen soll und so weiter. Kurz gesagt: Sorry.

Aber okayokayokay, zum Beitrag an sich: das ist jetzt der Punkt des Blogs, in dem man sentimental und rührselig werden kann/soll/muss, oder? Am Freitag kam ich wieder in Berlin an, gestern verbrachte ich den Tag damit meine alten und neuen Schätze an ihre Plätze zu verweisen und heute bin ich schon wieder im (Wochenend-)Alltag angekommen, außer dass da noch dieser gigantische Koffer vor meinem Fenster darauf wartet, weggepackt zu werden. Aber irgendetwas ist komisch, meine Freundinnen, Freunde und was es sonst noch so gibt.

Irgendjemand wurde entschieden radikal in Raum und Zeit verschoben und befindet sich jetzt an einem alten Ort, wo es leichter fällt auszuschlafen und man nicht das Gefühl hat, sich schämen zu müssen, wenn man sich jeden zweiten Tag von Nudeln mit Pesto ernährt, aber zugleich ist man innen noch immer in einer anderen Stadt, nach deren Möglichkeiten und der theoretischen Zukunft in ihr man versucht zu greifen. Die Zeit in London fühlt sich für mich ein wenig so an, als hätte jemand das Leben für einen Sommer lang angehalten, damit ein Mädel aus Berlin von etwas kosten kann, das schwer zu benennen ist: Abenteuerlust? Mut? Der Welt? Dem Selbst, das man in den Straßen und Museen und Themsenwegen und Parks und Tube Stations und Märkten Londons zusammensammeln konnte, damit man diese Stücke zum größeren Ganzen hinzufügen kann. Dieser Sommer verging so schnell, wie jeder Sommer vergeht, und es ist so viel passiert, wie in allen Zeitspannen von zweiundeinhalb Monaten passieren kann, und doch, natürlich, ich werde es nicht leugnen, es war etwas Besonderes und wie könnte ich es vergessen, was ich erfahren und erleben durfte, wen ich alles kennenlernen durfte, was ich gesehen habe und wie ich mich selbst sehen konnte.

Okay, ich glaube, das ist jetzt auch wieder genug an Sentimentalität. Seht’s optimistisch, ich hätte auch Wicked zitieren können, von dem ich ewige Dauerschleifenohrwürmer habe, seitdem ich eine Show am Dienstagabend gesehen habe (sorry, die Info musste auch noch mit rein #fangirlingXtreme). Um das ganze abzurunden ist hier ein thematisch passendes Smiths-Lied, das einen an die Zeit erinnert, als man noch zwei Monate jünger war, und daher unwahrscheinlich deprimierend ist (Damn you, Morrissey!), und hier ein paar nostalgische Fotos von dem Blackheath nahe der Mary Evans Picture Library und dem Greenwich Park, durch den man in Mittagspausen gerne spaziert ist, Straßenmalerei, verirrte Mohnblumen in Auffahrten, Telefonmasten, die man schön fand, Tube Stations, denn lebt man in London, lebt man in der Tube, und irgendwelchen London-Gebäuden (viel schöner mit Seifenblasen davor).

An der Stelle nutzt man natürlich die Gelegenheit und bedankt sich bei allen möglichen Menschen wie den Kollegen der Mary Evans Picture Library und meiner Gastfamilie, die mich so wunderbar aufgenommen haben und umsorgt haben (sie werden das niemals lesen, aber keine Sorge, die wissen Bescheid), den Damen und Herren an der Uni-Bibliothek, die mich haben gehen und weiterentwickeln lassen, und den Damen und Herren (ich nutze diese Formulierung vor allem des Datenschutzes wegen und weil mir nichts Besseres einfällt) an der Berufsschule, die das Erasmus-Projekt mit all seinen bürokratischen Hürden managen – und natürlich insbesondere allen, die doch tatsächlich diesen Blog in all seinen Ausschweifungen gelesen haben. Wenn ich etwas gelernt habe, dann dass ich mich wirklich, wirklich nicht kurz halten kann.

Letzte Tage

Wer erste Tage kennt, kennt auch letzte Tage – das liegt in der Natur von Praktika und dem Berufsleben generell. Vollkommen abseits dessen kennt auch jeder Abschiede und das seltsame Gefühl, zu gehen und zu wissen, dass man den Ort, den man verlässt, für unbestimmte Zeit zum letzten Mal gesehen hat. Aber gut, auch letzte Tage haben gerne einen routinierten Ablauf und der mag so aussehen:

  1. Ein seltsamer Morgen
    Man wacht auf und alles hat irgendwie ein Gefühl von Endgültigkeit, auch wenn man dieselbe Morgenroutine schon seit seinen Schultagen pflegt. Aber während man sein Müsli verspeist oder sich die Zähne verputzt, denkt man daran, dass es das letzte Mal sein wird, dass man dies tut, um zu dieser einen Arbeitsstelle zu fahren, und so wird jeder Schritt auf seltsame Art bedeutender. Dann erwischt man sich, wie man allem viel mehr Gewicht anhängt und es sich dadurch nur umso schwerer macht, und entscheidet, dass es dafür keinerlei Grund gibt, denn das alles gehört nun mal dazu und es ändert ohnehin nichts.
  2. Arbeit (oder Nicht-Arbeit?)
    Auf Arbeit steckt man dann in einem kleinen, aber bedeutenden Dilemma: das wäre das Gefühl, kurz vorm Wochenende zu sein, nur addiert wird dazu das Gefühl, bald Urlaub zu haben, und durch mehrere Zehnerpotenzen erhöht dann durch den Fakt, dass man an diesem Ort nie wieder arbeiten wird. Man ist also mit solchen Fragen konfrontiert wie „Lohnt es sich, diesen Umschlag an Postkarten noch anzufangen oder werde ich damit nicht mehr fertig?“ oder „Wie lange werde ich später brauchen, um den Schreibtisch frei zu räumen und mich von allen zu verabschieden?“, während man sich nicht sicher ist, ob die Arbeit, die man tatsächlich produziert auch nur irgendetwas wert ist.
  3. Eine zeremonielle Lunch Break
    Weil es ein Tag der Tage ist, geht man in der Mittagspause mit Kollegen in einem der nah gelegenen Pubs etwas essen. Man bekommt schon vorher eine Karte in die Hand gedrückt, auf die man später am Tisch noch mal hingewiesen wird („Do you want to read your card now, in front of everyone for maximum embarrassment?“), worauf man mit besagter Karte in der Hand in die ungefähre Richtung des Kopfes des Kollegen zielt, der ausweicht und lacht. Man liest also all die Danksagungen (für die getane Arbeit) und die Wünsche (für die eigene Zukunft) und bedankt sich kleinlaut, bevor man dem folgenden Gespräch lauscht, in dem es um das Wochenende, Pokémon Go und mein Abschiedsgeschenk geht (ein wahrhaft meisterhaft ausgedrucktes Ticket für die Special Exhibition Sunken Cities im British Museum!).
  4. Ein seltsamer Feierabend
    Nachdem man dann alles eingepackt hat an eigenem Zeug und den unterschriebenen Papieren, geht man zusammen mit Zimmergesellen Rob ins obere Büro und zieht seine Runden und verabschiedet sich mit Umarmungen und netten Worten und Versicherungen, dass man sich meldet, wenn man wieder in London ist, während man sich gedanklich natürlich fragt, ob man das tatsächlich tun wird und ob man sich tatsächlich noch einmal sehen wird, doch man schätzt, das obliegt einem selber. Der Nachhauseweg brennt einem ein wenig in der Brust und während man im Bus sitzt und die Häuser an einem vorbeiziehen, jucken einem dazu auch noch ein wenig die Äuglein.

Aber: Urlaub! Freizeit! Vor allem Freizeit, in der man rekapitulieren kann und ein bisschen überwältigt von seinen Erfahrungen sein kann! Auch aber: dazu an einem anderen Mal.

Keywording away!

Verschlagwortung war für mich immer ein seltsames, abstraktes Randkonstrukt im Berufsleben des FaMI. Ich meine, ja, man hatte die Sacherschließung mit natürlichen Worten (oho!) als Unterrichtsstoff genießen dürfen, und ja, das Ganze ist eine bibliothekarische Tätigkeiten, aber nun mal nicht meine (oder unsere) bibliothekarische Tätigkeit. Umso schicker also, dass man in seinen Praktikumsstunden das Vergnügen hat, genau dies auszuprobieren! In einer fremden Sprache! Doppelte Herausforderung! Freude!

Also gut, jeder kennt das Grundkonzept: man beschreibt mit (meist genormten) Worten den Inhalt eines Mediums nach gewissen (meist in bestimmten Regelwerken festgehaltenen) Standards. Ich sage meist und setze in Klammern, weil die Mary Evans da ein kleines wenig von der gelernten Definition abweicht. Genormt ist nämlich nichts und das Regelwerk besteht aus den paar Dingen, die Tom mir bei seiner kleinen Einführung serviert hat. Er hat auch begonnen, eine Liste zu schreiben, sie aber anscheinend nach einem Punkt („Plurals!“) vergessen und sich darauf verlassen, dass ich mir den Rest merke.

Die Caption beschreibt das Bild in lesefreundlichen Sätzen und gibt Hintergrundwissen, die Keywords sollen schlichtweg erfassen, was in dem Bild selber zu sehen ist und zwar in allen möglichen Suchbegriffen, bei denen es sinnvoll erscheint, das betreffende Bild in den Suchergebnissen zu finden. Somit sind die Keywords eine weitere Ranking-Methode des Systems. Was das System wiederum nicht kann, ist unser liebenswertes Stemming oder ähnliche Wortformen miteinander zu verknüpfen, was für den gebeutelten Keyworder sehr viel Tipperei bedeutet. Ein wenig davon soll einem erspart bleiben, wenn man auf die Schaltfläche ‚Select‘ neben der Keywords-Box klickt – dann öffnet sich nämlich ein neuer Tab und man sieht so etwas hier:

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(Im Übrigen, das heutige Motiv, nur zu Zeiten des ersten Weltkrieges mit Soldatenpräsenz.)

Dies sind nämlich alle Wörtchen, die man in der Caption verwendet hat und das System als sinntragende Wörter wieder erkennt (heißt ‚the‘ ist für gewöhnlich nicht dabei). Mit einer gekonnten Choreographie aus der Tabulator- und der Space-Taste kann man dann schnell durch die Checkboxes wirbeln und all jene auswählen, die man haben will. Abgesehen von allen Weltkriegsnamensformen, die anscheinend oft genug vorkommen, dass es dafür eine extra Schaltfläche rechts neben der Box gibt, darf der Rest aber fleißig nachgetragen werden und zwar in allen verschiedenen Schreibweisen, Wortarten und Abkürzungen, die einem einfallen.

Die Miriam’sche Taktik besteht für gewöhnlich darin, von hinten nach vorne die Schlagwörter durchzugehen, die man zuvor ausgewählt hat, und alles hinzuklatschen, was einem dazu einfällt, auch wenn das heißt, dass das alles am Ende eine recht chaotische Wortzusammenstellung ist und man dann doppelt hingucken muss, um zu überprüfen, ob man alles geschrieben hat, was man schreiben wollte. Ansonsten wird man laut besagter Taktik am besten erst die Namen los, die damit zu tun haben, weil diese wenig Denkarbeit erfordern (man steigert stufenweise seine Hirnleistung). Dann käme alles, was das Auge auf dem Bild erfasst, und all seine Synonyme plus verschiedenster Schreibweisen in verschiedensten (US-amerikanischen oder englischen) Sprachgebieten (an dieser Stelle holt man für gewöhnlich ein Online-Wörterbuch zu Rate). Meist lohnt sich auch ein Blick auf die Wikipedia-Seite diverser Dinge, um das Spektrum der englischen Sprache kennenzulernen. Wenn man dann seine Überlegungen nach allen möglichen Begriffen ausgewrungen hat (meine Metaphern werden immer kreativer hier), kann das Ganze auch so aussehen:

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Captioning away!

Mit zwei Wochen Verspätung, aber immerhin nach reichlicher Erfahrungssamm-lung für eine umfassende Beschreibung kann ich nun auch mal verkünden, dass ich mich schon lange nicht mehr durch die Bestände der Mary Evans (in Form eines Schuhkartons voll mit Umschlägen) scanne, sondern eine neue Tätigkeit in die Hände gedrückt bekommen habe, was überhaupt nichts damit zu tun hat, dass ich mit dem Schuhkarton auch mal fertig geworden bin!

Captioning heißt der neue Quell der Freude, wozu auch das Keywording zählt. Sämtliche Informationsexperten der Zunft werden schon im Ungefähren wissen, was genau da zu tun ist, zumal dank vieler MI-Stunden auch bestens vorbereitet und so. Ich durfte mich also in Tom’s Mary Evans-Account eingeloggt ins „Back Office“ des Business wagen und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob der Term mit richtiger Betonung kryptischer und epischer klingt als „Intranet“ oder doch eher andersherum. Jedenfalls, nach ein bisschen Rumgeklicke und Rumgetippe und vielerlei Erläuterung seitens Tom sitzt eine Praktikantin dann also seit gut zwei Wochen vor ihrem Bildschirm und produziert mittels Tastatur solche Schönheiten:

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Logischerweise meine ich nicht die an einigen Stellen etwas schiefe Eingabemaske oder die Pixeligkeit des Bildes (danke WordPress), sondern das, was da so in den Boxen steht. Das, was da so in den Boxen steht, ist das Ergebnis von hauptsächlich zweierlei Arten an Analyse- und Schaffensprozessen:

  1. Ausgiebiger Google-Recherche
  2. Noch ausgiebigerem Starren auf den Bildschirm, bis einem die richtigen Worte eingefallen sind

Aber mit mehr Detail, wie es alle sicherlich auch wollen:
Das Captioning (Beschreibung oder Beschriftung würde man es, denke ich, in unserer Sprache nennen) hat zum Ziel, den Inhalt des individuellen Bildes prägnant aber umfassend zu beschreiben und den potentiellen Kunden in Bilde (HA! Ha. … Ha?) zu setzen, was genau er da zu sehen bekommt, sobald das Bild hochgeladen und mit dem Datensatz verknüpft wurde. Zugegebenermaßen und glücklicherweise wurde auch schon etwas Vorarbeit geleistet: der Eigentümer und Wiederverkäufer der Pharcide Collection (also die Postkartensammlung, mit der ich mich zeittechnisch wie emotional verbunden habe) hat auf die Rückseite jeder Postkarte Datierschätzung und ein paar Stichworte geschrieben, die augenscheinlich die Früchte von dessen ausgiebiger Recherche ist, die einem dann als Startpunkt dienen. Von da aus streckt man seine Fühler aus und recherchiert herbei, was es so zu sagen gibt.

Die Description ist der einfach Part; diese ist zu so und so vielen Zeichen beschränkt und soll in knappen Worten aussagen, was man so zu erwarten hat. Logischerweise nimmt man da das wichtigste, was man über das Bild weiß, und glücklicherweise ist das wichtigste meist auch das offensichtliche und wenig Raum ist schnell gefüllt. Die Description taucht dann quasi als „Titel“ unter dem Thumbnail in den Suchergebnissen auf und hilft dem System auch bei deren Ranking, denn je mehr Suchwörter in der Description zu finden sind, desto höher wird das Bild gerankt. Dank Toms glorreichem Log-In findet der Mary Evans-Katalog bei mir auch Datensätze, die noch nicht vollständig sind, weshalb ich stolz auf meine Caption unter den ganzen Profi-Werken zeigen kann:

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Niemand wird überrascht sein, dass es sich um das Ergebnis handelt, das als „Image not scanned“ gekennzeichnet ist, WAS EINE GEMEINE LÜGE IST. Anyway, die eigentliche Caption basiert auf der Description (heißt, man kopiert, was man bisher an wenigen Worten zusammengesammelt hat, darein und staffiert das dann aus). Und zwar bis es a) noch ein bisschen was aussieht und b) dazu auch noch alles Wichtige mitgeteilt wurde. Zugegeben, in der Reihenfolge. Dabei ist es immer vom Bild und der historischen Bedeutung seines Inhalts abhängig, ob man Information filtern oder mit großen Worten aufbauschen muss, um den Kasten zu füllen (bzw. wie viel Zeit man schon bei der Recherche verschwendet hat). Einige der Kollegen benutzen dabei auch tatsächlich ab und zu sehr blumige Adjektive und Wendungen, um das Bild scheinbar zu bewerben, aber man als nüchterner Bibliotheksmitarbeiter ist es ja gewohnt, die Information objektiv in den Umlauf zu bringen. Wenn eine Praktikantin dann eine solche Caption verfasst hat, kann man sich diese in naher Zukunft angucken, wenn man sie unter besagtem Thumbnail aufruft:

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Wen es interessiert und wer sicherlich nicht noch in einem Monat daran denken wird oder will, nach dem Bild in der Mary Evans-Suchmaschine zu suchen, es handelt sich um ein koloriertes Photo von dieser Schönheit hier. Ihr wollt nicht wissen, wie lange es gedauert hat, bis ich dieses kleine Ding neben den ganzen Monumentalstatuen und repräsentativen Wandportraits von der Dame gefunden habe (und ja, es war voll toll und hat riesigen Spaß gemacht).

5. Die Arbeit – Extended Edition Part II

Bevor ich auch auf dem Blog wie in Realität zu einer neuen Tätigkeit übergehe, will man noch mal auf die angedeutete Fortsetzung übergehen, die man in einem Beitrag mit einem ganz ähnlichen Titel erwähnt hat, und diese eventuell tatsächlich doch in kurzer Version verfassen. Also: was Miriam nach und nach noch so an Photoshop kennenlernen durfte, was immer noch nur halb so effektiv ist ohne Bildbeispiele, aber tun wir mal so, als würden Worte reichen, yay!

„Hue/Saturation“ oder „Farbton/Sättigung“

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Eines meiner Lieblingszauberstücke, größtenteils weil man damit so wunderschön viel dummes Zeug machen kann: das „Hue“-Feature lässt das Bild in verschiedene Farbtöne leuchten (wenn man den Regler hier sehr schnell hin und her schleudert hat man einen schönen Disco-Licht-Effekt), mit Hilfe der „Saturation“-Regelung kann man das Bild in ein PopArt-Werk verwandeln, sofern man den Regler auf die höchste Stufe stellt, und unter „Lightness“ … da kann man … also, man hat an beiden Enden entweder ein komplett weißes oder schwarzes Bild. Cool?

Wenn man sich dessen dann auch mal ernsthaft bedienen möchte, dann sei einem zumindest bei einem Mary Evans-Scanner vor allem der Sättigungsregler ans Herz gelegt. Unwahrscheinlich viele der Farbbilder geraten schlichtweg übersättigt und so mancher Kampf mit der „Color Balance“ hätte sich so einfach damit lösen lassen, ein bisschen Farbe heraus zu saugen, denn je weniger da ist, desto weniger muss man sich auch darum kümmern (ich bin mir sicher, genauso funktioniert das). Ansonsten kann man mit Hilfe des Pull-Down-Menus unter „Preset“ den Wirkungsbereich der Einstellungen, die man tätigen möchte, auch auf eine bestimmte Farbe einschränken, was bei diesen gelbliebenden Scannern ebenso zum Erfolg verhelfen kann. Mit einem Pinzetten-Tool kann man auch das Farbspektrum im Bild auswählen, das man beeinflussen möchte; so kann man einzelne Farben, die noch immer nicht korrekt angezeigt werden, während der Rest des Bildes schon in vorbildlichster Form brilliert, in den richtigen Farbton schubsen.

„Dodge/Burn/Sponge“-Tool

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Unter den Postkarten, die ich gescannt habe, gab es einige Objekte, die mich schlicht nicht leiden konnten. Damit meine ich, sie hatten eine reflektierende Oberfläche. Damit meine ich, dass das was auf dem Bild eigentlich Schwarz ist leuchtete einem auf den Bildschirm plötzlich im strahlenden Weiß entgegen.

Glücklicherweise hat sich dieser Effekt bei besagten Objekten eher auf den Bildrand beschränkt, weswegen ich nicht vollends wahnsinnig geworden bin. Abhilfe verschafft hat mir eines dieser drei untertitelgebenden Tools: die drei sind quasi wie die „Levels“- und die „Saturation“-Einstellungen, nur halt auf den Bereichen des Bildes, auf dem man mit dem Cursor klickt, um dann fröhlich und nach Wunsch darauf herumzuwischen. Soll der Bereich heller werden, wählt man das „Dodge“-, in die andere Richtung das „Burn“-Tool, will man Sättigung hinzufügen oder entfernen ist das „Sponge“-Tool Freund und Helfer. Dabei kann man sich im Einflussbereich mal wieder zwischen „Shadows“, „Midtones“ und „Highlights“ entscheiden, was festzustellen vor allem bei den Hellig- und Dunkelheitsspielereien eine große Erleuchtung war.

„Gaussian Blur/Unsharp Mask“

Was meiner bescheidenen Meinung nach ein bisschen wie der Songtitel einer Trip Hop-Band klingt ist eigentlich die kniffligste Operation von allem. Man stelle sich folgende Sachlage vor: man hat frohen Mutes eine Farb-Postkarte gescannt und stellt bei der Bearbeitung plötzlich fest, dass der Drucktechnik ein Muster zu Grunde liegt, dass sich über das gesamte Bild zieht und schlicht nicht schön aussieht. Was ist die Fähigkeit, unendlich nahe an Bilddetails zoomen zu können, wert, wenn einem dann so etwas auffällt? Wer hat sich das ausgedacht? Und was sollen nur die Kunden sagen?

Damals hatte man wohl tragischerweise noch nicht die Optimopti-Druckertechnik, darum verzeiht man seinen Vorfahren mal. Photoshop weiß auch hierauf eine Antwort, die da heißt: das Bild unscharf und wieder scharf machen und hoffen, dass die winzigen Grundmuster dabei mehr oder weniger ineinander verschmelzen. Die Schwierigkeit besteht darin, genau den richtigen Grad zu wählen zwischen „Jetzt sind irgendwie alle Linien verschwommen, das tut ganz schön in den Augen weh“ und „Man kann das Muster immer noch sehen, das tut ganz schön in den Augen weh“. Glücklicherweise bin ich bei keinem Großteil der Postkarten dazu gekommen, diese Technik auszuprobieren, und ebenso glücklicherweise gibt es im selben Raum, in dem man sitzt, einen erfahrenen Profi-Scanner, der einem sagen kann, welche Parameter man wo am besten eingibt, falls man gerade von Zweifeln geplagt ist.

Beam them up!

All die Bilder, die man in minuziöser Kleinarbeit farbkorrigiert und sauber geclonestampt hat, müssen irgendwie, irgendwo, irgendwann auch ihren Weg an den Mann finden. Chef-Scanner, Schreibtischnachbar und Wegbegleiter vieler erheiternder Arbeitsstunden Rob findet darin sein Metier; wenn Picture Researcher ihm dicke Zeitschriftenbände mit Lesezeichen darin vorbeibringen oder auf der ‚Console‘ Kundenbestellungen auftauchen, müssen die frisch polierten Scans schließlich schnellstmöglich auf den Bildschirmen dieser Welt auftauchen.

Nachdem Tom ins Büro kam mit einem Stapel Portraits in der Hand, diesen auf meinen Schreibtisch positionierte und mich darum bat, mich um diese zu kümmern, wurde mir auch gleich von Rob versprochen, dass ich den Upload-Vorgang sehen würde, zu dem keine Bilder existieren, weil Miriam die benötigten Programme zum Screenshooten nicht auf ihrem PC hat (sorry). Das heißt aber nicht, dass man nicht trotzdem eine trockene Zusammenfassung dessen erhalten kann, was Miriam sich an diesem Tag aufgeschrieben hat! Jubel und Freude!

Was man tätigen muss, damit in der Mary Evans Picture Library ein schnieker Scan auf die Website kommt:

1. Lustiger Dateiklamauk!
Insgesamt braucht man am Ende drei Versionen des Bildes: eine hochqualitative (das heißt, man gibt beim letzten Fenster beim Abspeichern eine ‚8‘ im Feld für ‚quality‘ ein) Jpeg-Datei für das Digitalisat, das man sich schlussendlich gegen Entgelt herunterladen kann, eine nicht so hochqualitative Preview-Datei, die man sieht, wenn man sich den Eintrag zu dem Bild in der Datenbank anguckt, und die Thumbnail-Datei, die man sieht, wenn man kurz davor ist, das zu tun. Alle Dateien tragen die Inventarnummer als Namen, die Preview- und Thumbnail-Dateien erhalten wiederum einen kleinen Buchstaben hinten dran gehängt, anhand dessen der Server später mittels seiner magischen Server-Kräfte erkennen kann, was genau er mit diesen Dateien anzufangen hat und wo sie hingehören.

2. Watermarking around
Wer es tatsächlich nicht weißt: ein Wasserzeichen über einem Bild dient dazu, böse Urheberrechtsverletzer davon abzuhalten, sich eines Preview-Files in (vergleichsweise) eher schlechter denn rechter Qualität zu bereichern, indem er auf der Website auf dem Preview-Bild rechtsklickt und auf ‚Bild speichern unter …‘ klickt. Dank des Programms mit dem etwas sperrigen Namen ‚AiS Watermark Pictures Protector‘ (welcher auch etwas wie ein Reinigungsmittel klingt) kriegt man nur Thumbnails und Previews mit einem MARY EVANS-Schriftzug in der Mitte, der ruft: „Gestohlen! Dieses Bild ist gestohlen!“

3. Sich der Matrix bedienen
Okay, nein, es war nicht ganz so cool. Man hat sich den Namen des Programms nicht aufgeschrieben (im Folgenden gebe ich ihm einfach den passenden, offensichtlichen Namen), aber man stelle sich die ultra-traditionelle PC-Nutzeroberfläche vor, als es noch keine Maus gab und man dem Computer mit vorprogrammierten Worten sagen musste, was er tun soll, und den Befehl dann mit ‚Enter‘ abschicken. So oder so ähnlich schickt man die Dateien mit ein paar netten Worten auf den Server, wo dann der Rest erledigt wird; die Matrix ist also das Tor zur nächsten Ebene (oder so).


Wenn man das dann alles gemacht hat, kann man im Intranet der Mary Evans dann nach der Inventarnummer des Bildes suchen und sich darüber freuen, dass unter jeder benötigten Dateiart ein zufriedenstellendes ‚yes‘ zu lesen ist.

Wenn man jetzt gerade ein paar hundert Bilder zum Hochladen hat, würde es sich nach einer Weile natürlich etwas schwierig machen, diesen Prozess immer wieder per Hand zu wiederholen. Man weiß sich aber zu helfen: die verschiedensten Dateien können mittels eines Photoshop-Features namens ‚Actions‘ erstellt werden, bei dem das Programm voreingestellte Aktionen an beliebig vielen Dateien durchführt. Dazu kommt das Programm ‚Fireworker‘, mit dem die Preview-Dateien erstellt werden (man fragt mich aber bitte nicht, warum man den Scan und das Thumbnail mit Photoshop erstellen kann, die Preview aber nicht). Sowohl das Watermark-Programm mit dem sperrigen Namen als auch die Matrix funktionieren auch mit einer großen Menge an Dateien.

All dies ist dann lediglich mit ein bisschen Wartezeit zwischendurch verbunden, während der man sich aber immerhin fabulös mit der Praktikantin neben sich unterhalten kann – die freut sich immer!

Ein typischer Tag in der Mary Evans

IMG_0424 Die Mary Evans Picture Library ist ein Ort der konzentrierten und doch ruhigen Arbeit. Während man mit der Maus Kratzern und Flecken in der Bildoberfläche  hinterher jagt, findet man noch genug Gemütlichkeit, um mit seinem Schreibtischnachbarn oder den ein oder anderen Besuchern aus dem Obergeschoss über so manches interessantes Thema zu reden. Während der Scanner seine Arbeit tut, hat man gerne Zeit, aus dem Fenster zu gucken und die Wolken zu beobachten oder sich ein weiteres Glas Wasser zu holen und auf dem Weg zur Küche und wieder zurück Biscuits vom Serviertisch zu stibitzen. Während man sich morgens nach seiner unspektakulären Busfahrt in den Schreibtischstuhl fallen lässt und darauf wartet, die Scans, die man am vorherigen Tag gemacht hat, zu bearbeiten, merkt man die oder andere Gestalt an seiner Tür vorbeihuschen und in hektischen, spannungsgeladenen Sätzen sprechen und es sind prinzipiell schon alle da und am Werkeln, wenn man selber verfrüht ankommt, und wie, ihr habt dieses Zelt auf dem Parkplatz in aller Herrgottfrühe aufgebaut und was meint ihr damit, Rob und ich sollen hundert Luftballons bis um siebzehn Uhr aufgeblasen haben und warum trage ich eigentlich plötzlich ein Namensschild und aaaaaaaaaaaah!

Gut, ganz so lief mein innere Monolog vor genau einer Woche nicht wirklich ab. Aber fast. Quasi. Könnte man so sagen. Dass an einem Donnerstag irgendwann die Mary Evans Summer Soirée stattfinden sollte, das war bekanntes Wissen und wurde mir auch schon brav erklärt, damit dass man seine Kundenkontakte pflegen und wachsen lassen und eigenhändig ausschmücken möchte. Die Mary Evans Picture Library ist schließlich ein Unternehmen und lebt in der Wurzel zwar von  gut ausgestattetem Bestand und gut gemachten Scans, möchte aber dann auch all dem angemessen florieren. Und gemessen an der Besucherzahl, von der mir später berichtet wurde, tut sie das in der Tat.

Ich weiß also nicht ganz, in welchen hohen Worten ich im Tätigkeitsnachweis davon berichten soll, dass ich den Tag damit verbracht habe, zusammen mit meiner Mitpraktikantin Buchrücken, die wie Lappen von ihren Büchern hängen, mit Gummis eher dürftig an ihre Bücher zu binden und mit einem lächelnden Staubsauger (ernsthaft, er hatte ein Gesicht (und ein sehr sympathisches dazu)) den Boden zwischen den Kompaktregalen von Papp- und Papierfetzen zu bereinigen, nachdem und bevor man Luftballons aufgeblasen hat, bis einen dann doch etwas schwindlig wurde (ich bin aber auch umausdauernd). Während der Mittagspause hat man die Sandwiches, die auf die Schnelle besorgt wurden, auf der Couch im Zelt vertilgt und die wenigen Scans, zu denen man dann tatsächlich gekommen ist, haben gefühlte Stunden gebraucht, weil man mit Gedanken woanders war.

Apropos sympathische Gesichter: genau diese Sorte hat einen dann später auch davon überzeugt volle zwei Stunden auf der Soirée zu verbringen. Irgendwann klingelte Robs Telefon, ich hörte unter anderem „Yeah, I think she’ll stay for a bit“ und schon war ich auf der Gästeliste (zur Verteidigung des Herrn, es mag geschehen sein, dass ich vorher gefragt wurde, worauf ich schwammige Antworten gab). Und ich werde es nicht bereut haben!

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Um kurz vor 5 trudelte schon der erste verfrühte Gast ein, während die meisten Kollegen noch dabei waren, sich schick zu machen (Miriam war natürlich nicht vorbereitet, war damit jedoch auch nicht alleine), doch es war dennoch sofort eine Kollegin mit ausgestreckter Hand und Lächeln zur Stelle. Die Gäste wurden alle mit dem Anblick eines Empfangstresen begrüßt, der eines Morgens einfach plötzlich vor mir stand, nachdem ich die Mary Evans betreten hatte, und an dem an jenem Abend immer ein Mitarbeiter saß, um nette Worte zu sprechen, den Menschen ihre Namensschilder zu überreichen und aufzupassen, dass sich keine umeingeladenen Gäste am Buffet bereichern können. Oh, ach ja, das war neben der netten Gesellschaft auch der beste Grund, diese zwei Stunden dort zu bleiben: wunderbares Essen vom Inder, der die Straße runter seinen Hauptsitz hat!

Wir können uns natürlich alle denken, dass Praktikanten auf einer solchen Veranstaltung wenig zu tun haben, außer nun mal zu essen, zu lachen und zu beobachten. Andere Mitarbeiter, vor allem die Picture Researcher waren damit beschäftigt, Kunden zu umwerben, sie in der Library herumzuführen, ihnen zuvor vorbereitete Tische mit erlesenen Bildern und Quellen zu zeigen und Mary Evans von der besten Seite zu präsentieren. Nichtsdestotrotz kam man selber auch dazu seine glorreichen Englisch-Kenntnisse unter Beweis zu stellen („I am an internship“ – was für eine Leistung!) und viel Spaß mit den Kollegen zu haben.